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Der April-Winter

Die Blüten nun schockgefrostet?

In der Oster-Folgewoche drohen Schneeschauer am Tage und Frosttemperaturen in den Nächten. Kulturschäden sind zu befürchten.

19.04.2017
  • Siegfried Schmidt

Die Freiluft-Cafés haben die Schirme wieder zugeschnürt, die Leute tragen wieder Anoraks und Strickmützen zur Schau. Der April ist mit Schneeflocken und Graupeln auch in Tiefgefilden
in den Winter-Modus zurück
gekehrt.

Glück hat, wer sein bereits
vollbrachtes Auswinterungsprogramm beim Pflanzenschmuck und Kräuter-Kleinanbau ohne viel Aufhebens rückgängig machen kann. Rasch hat Landratsamts-Pressesprecherin Sabine Eisele am Montag ihre Erdbeerenpflanzen vom Balkon wieder in das klimageschützte Hausinnere geholt: Nach den regenkühlen Osterfeiertagen drohen nämlich Mitte der Woche weitere April-Wetterkapriolen mit dann akuten Nachtfrost-Gefahren. Für Blühpflanzen, Nutzkulturen wie den Raps und in der Blüte stehende Obstbäume ist das schieres Gift. In der ganz empfindlichen Vorfruchtphase sind Erfrierungen vorprogrammiert. Im schlimmsten Fall erleiden die Fruchtstände Totalausfall.

Michael Keßler, Horber Stadtrat, Nebenerwerbslandwirt und Sachgebietsleiter im Landwirtschaftsamt, sieht schon schwarz für die heuer frühzeitiger einsetzende Obstbaumblüte: „Bei solchen im April nicht üblichen Frosttemperaturen von minus vier bis fünf Grad Celsius werden die meisten Blüten erfrieren.“ Überlebenschancen hätten da nur Blütenstände in geschützten Lagen.

Im Kreis Freudenstadt, wo ganz vereinzelt etwas Obst-Erwerbsanbau herrscht, ist zwar die Betroffenheit überschaubar, aber schon allein um die erfrorenen Streuobstbestände kann es einem
leid tun. Wenigstens sind die
Beerenobstsorten noch nicht so weit in der Blühphase, dass ernsthafte, flächige Schäden zu befürchten sind.

Auch der Raps hat angesichts der Anbauflächen ringsum noch seine satt-gelbe Hochphase vor sich. Vom Frost tangiert werden nur offene Blüten in der Befruchtung, sagt Keßler. Seine eigenen Ackergründe will er in den nächsten Tagen verschärft „beobachten“. Sollten die Raps-Stengel nämlich vor Frost „platzen“, könnten Keime und Krankheiten einwandern. Doch der Raps kann auch Verluste verkraften: Die Pflanze bildet mehr Blüten als
sie eigentlich ernähren kann. Für sein Getreide sieht Keßler wegen des Temperatursturzes hingegen keine Probleme. Und den Erdbeerenanbau hat er vor Jahren aufgegeben.

Leichte Fröste – verkraftbar

Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Calw/Freudenstadt, Karl-Friedrich Günther, hält einen „leichten Nachtfrost“ in der gegenwärtigen Situation noch für verkraftbar und undramatisch, zumal, etwa beim Raps, geschlossene Knospen davon unbehelligt blieben. Die vorübergehende „Abkühlung“ werde halt die Vegetationsentwicklung abbremsen.

Erleichtert haben ihn und seine Branchen-Kollegen aber die Niederschläge. Nicht auszudenken, wenn die Trockenheit und die Temperaturhochs noch eine Weile fortgedauert hätten. Günther: „Die Böden waren trocken ohne Ende.“ Insoweit verbucht der Bauernfunktionär den Wetterwechsel als positiv. Dies auch in der Hoffnung, dass bis zu den Eisheiligen Anfang/Mitte Mai keine weiteren Temperatur-Ausschläge dem dann weiter entwickelten Pflanzenbestand mehr zusetzen.

Der Agraringenieur und Leiter des Landschaftserhaltungsverbands (LEV), Peter Heffner, hält auch Frost im April generell für „ungut für alle Kulturen“, er zieht aber eine feine Trennlinie auf der Temperaturskala. Ein bis zwei Grad unter Null seien noch „nicht kritisch“, darunter jedoch bekämen die Obstbäume Probleme. Und das Schadensausmaß sei auch abhängig von dem Saftgehalt der Pflanzen. Angesichts der Frühjahrstrockenheit werde sich Frost deshalb nur „relativ milde“ bemerkbar machen.

Im Westkreis, von wo die April-Wetterfronten herüber driften, ist die Obst- und Gartenbau-Zunft wegen der anstehenden Nachtfröste noch nicht mal alarmiert. Martin Steudinger, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Baiersbronn, im Hauptberuf Leiter des Umweltamts beim Landkreis, kann, zumindest im Murgtal, der großen Apfelblüte noch entgegenblicken.

Noch nichts im Freiland

Und wo die Blüte schon eingesetzt hat, wie etwa bei Kirschen und Obstbäumen in Spalieranbauweise, bieten Hauswände willkommenen passiven Schutz gegen Frostunbilden.

Bei anderen Fruchtpflanzen sei von geübten Gärtnern nach wohlverstandenem Brauch sowieso noch nichts ins Freiland ausgebracht worden – außer vielleicht solche frostunempfindlichen Blumensorten wie Tulpen oder
Narzissen.

Und Gewächshäuser mit Frostwächtern in Alarmstellung helfen auch den ungeduldigen Hobbygärtnern, die Vorreifezeit ihrer Ziehpflanzen unbeschadet zu überstehen, erläutert Steudinger.

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19.04.2017, 01:00 Uhr

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