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Ganz entspannt
Nach seiner Zeit als Bürgermeister von Horb wurde Gerhard Munding 2004 in den Horber Gemeinderat gewählt. Bild: Kuball
Kommunalpolitik

Ganz entspannt

Gerhard Munding hat nach 13 Jahren den CDU-Fraktionsvorsitz im Horber Gemeinderat abgegeben. Er blickt für uns zurück.

25.01.2017
  • Dagmar Stepper

Gestern Abend war alles ein bisschen anders: Der Gemeinderat debattierte über den Haushalt. Es ist die Königsdisziplin für die Fraktionsvorsitzenden, denn sie dürfen ihre Haushaltsrede halten. Doch bei der CDU ergriff dieses Mal nicht Gerhard Munding das Wort, sondern Michael Keßler. Munding saß entspannt daneben und hörte zu. Er hatte den Fraktionsvorsitz auf den 1. Januar hin abgegeben, Keßler wurde zu seinem Nachfolger gewählt (wir berichteten).

„Es wird Zeit, dass Jüngere drankommen. Ich werde im April schließlich 75“, begründet Munding seinen Rücktritt. Dem Gemeinderat wird er aber bis zur nächsten Wahl 2019 noch erhalten bleiben. „Es macht mir großen Spaß“, sagt er. Im Mai 2004 wurde Munding in den Gemeinderat gewählt und beerbte Erich Jung als Fraktionsvorsitzenden.

Ausgleich zum Ruhestand

Munding hatte sozusagen die Seiten gewechselt: Kurz zuvor wurde er als erster Beigeordneter der Stadt Horb in den Ruhestand verabschiedet. Die Kommunalpolitik war für ihn ein Ausgleich zum Pensionär-Dasein. „Als Bürgermeister wird man ja überall begrüßt und sitzt in der ersten Reihe. Als Pensionär ist man auf einmal ein Nichts und Niemand“, sagt er offen. Durch sein kommunalpolitisches Engagement konnte er aber in der Materie weiterarbeiten.

Scheitern beim Bürgerentscheid

Für die CDU-Fraktion war sein Wissen von Vorteil: „Ich habe mich ja durch meine Verwaltungstätigkeit gut ausgekannt.“ Mundings erster Schachzug war sein Nachfolger auf dem Bürgermeister-Posten. Es sollte wieder ein CDU-Mann sein, der ein Gegen-Gewicht zum liberalen Oberbürgermeister Michael Theuer setzen sollte. Hans Jürgen Pütsch gewann die Wahl im Gemeinderat mit einer Stimme Mehrheit. Auch bei der Wahl von Bürgermeister Jan Zeitler hatte die CDU die Finger im Spiel. Doch dieses Mal votierte sie für einen SPD-Mann – und gegen den FD/FW-Mann Daniel Wochner. Doch schließlich hatte Horb mit Peter Rosenberger wieder einen schwarzen Oberbürgermeister.

Munding sagt dazu nicht allzu viel. Aber hin und wieder grinst er. Beim bisher vielleicht größten Zwist in seiner Zeit im Gemeinderat gibt er sich inzwischen Recht gelassen. Es geht um die Wiedereinführung der unechten Teilortswahl, die sich die CDU-Fraktion im Jahr 2008 auf die Fahnen schrieb und dafür einen Bürgerentscheid durchdrückte. Allerdings ging die Sache daneben. Es gab keine ausreichende Mehrheit. „Das war damals ein großes Thema, das inzwischen aber verraucht ist“, meint Munding dazu heute.

1987 kam er nach Horb. Der frühere CDU-OB Hans Hörner hatte ihn in die Neckarstadt gelockt. Munding war zuvor Oberamtsmann in Calw und Leiter des Kommunalaufsichtsamt. In dieser Funktion hatte er Hörner kennen gelernt. In Calw hat es Munding eigentlich ganz gut gefallen, doch der Job als Bürgermeister reizte ihn. Sein erster Eindruck von Horb: „Dass man hier ein Haufen schaffe muss“, meint er trocken.

Abwahl von Hans Hörner

Die kommenden Jahre befasste er sich mit der Neuorganisation des Bauhofs, der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung, 400 Bauplätze wurden erschlossen, die Teilorte vorangebracht. Im Gemeinderat gab es zu seiner Bürgermeister-Zeit häufig Differenzen: „Die Fraktionen waren schon streitsüchtig. Es hat an einer gewissen Harmonie gefehlt.“ Doch Munding kann es auch verstehen: Hörner war CDU-Mann, Munding auch und die Schwarzen hatten die Mehrheit im Gemeinderat. „Da fühlten sich manche schon zurückgesetzt“, erinnert er sich.

1995 dann der Paukenschlag: Michael Theurer fordert Hörner heraus – und kegelt ihn aus dem Amt. Nun hatte Horb auf einmal einen liberalen Oberbürgermeister. Und für Munding änderte sich vieles: „Es war eine gewaltige Umstellung. Mit Theurer hatte ich schon gewisse Reibereien. Das ist ja kein Geheimnis“, sagt er im Rückblick. „Ich galt ja als Erfüllungsgehilfe von Hörner.“

IE immer noch sein Thema

Im Laufe der Jahre hat sich das Verhältnis aber gebessert. Doch einer der großen Streitpunkte ist geblieben: die Innerstädtische Entlastungsstraße. Theurer gilt als einer der Väter der Horber Hochbrücke, die die IE in den Hintergrund gedrängt hat. Munding will die Wichtigkeit der Hochbrücke nicht kleinreden. „Aber 50 Prozent des Verkehrs bleibt in der Kernstadt.“ Daher bedauert er es sehr, dass die IE gescheitert ist. Doch im vergangenen Jahr hat die CDU-Fraktion einen Antrag gestellt, wie die Innenstadt auch mit Hochbrücke mehr entlastet werden kann. Vielleicht wird sie in diesem Jahr dann wieder zum Gesprächsthema.

Gern debattiert Munding dann mit. Aber künftig wird Michael Keßler öfters das Wort ergreifen – und Munding wird sich entspannt zurücklehnen.

Bürgermeister-Wahl

Nachsitzung

Abschaffung Teilortswahl

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25.01.2017, 01:00 Uhr

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