Sulz · Spenden

Bewegende Hilfe von Fremden

Der Erlös der Sammelaktion für fünf Feuerwehrfamilien in Schuld wurde virtuell am Mittwoch übergeben. Der Wehrführer beschrieb dramatische Einsätze.

01.12.2021

Von Cristina Priotto

Virtuell und doch reell: Stadt, Feuerwehr und Musikverein Sulz übergaben am gestrigen Mittwoch per Zoom-Konferenz eine Spende an Tobias Lussi, den Wehrführer der Feuerwehr Schuld. Das Geld kommt fünf Feuerwehrfamilien in dem vom Hochwasser stark betroffenen Ort zu Gute. Von links: Hans Gühring (Vorsitzender des Musikvereins Sulz), Stadtbrandmeister Eugen Heizmann, Bürgermeister Gerd Hieber und Hans-Ulrich Händel (Beauftragter für Bürgerbeteiligung und Bürgerengagement). Bild: Cristina Priotto

Die Bilder von Häusern, die von der Flut im Ahrtal einfach weggerissen wurden, gingen Mitte Juli um die Welt. Viele Menschen wollten den Betroffenen danach helfen. Der Sulzer Stadtbrandmeister Eugen Heizmann bekam über einen Feuerwehrkameraden aus Heiligenzimmern konkrete Adressen von fünf Familien von Feuerwehrleuten in Schuld (Kreis Ahrweiler), die plötzlich kein Obdach mehr hatten.

Beim Corona-Helferfest in der Holzhauser Panoramahalle Ende Juli starteten die Sulzer Feuerwehr, die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Gerd Hieber und Hans-Ulrich Händel, der Musikverein sowie die Holzhauser Ortsverwaltung spontan eine Spendenaktion für die fünf Feuerwehrfamilien in Rheinland-Pfalz.

Innerhalb von sechs Wochen kamen durch rund 30 Spender 6165,50 Euro zusammen. Dieses Geld überreichten die Initiatoren in Form eines symbolischen Spendenschecks am gestrigen Mittwoch an Tobias Lussi, den Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schuld. Lussi war via Zoom in den Bürgersaal zugeschaltet.

Bürgermeister Gerd Hieber zeigte sich stolz, dass sich in Sulz spontan „eine tolle Truppe“ zusammengefunden habe, die einen Beitrag leisten wollte, um den Menschen in Schuld bei der Behebung der Schäden zu helfen. Dass ausgerechnet Feuerwehrleute, die sonst bei Unglücken anderen helfen, jetzt selbst Hilfe benötigten, bezeichnete Hieber als „tragisch“. Deshalb war es den Spendern aus Sulz ein Anliegen, ebenjenen Flutopfern mit Geld zu helfen und zu wissen, dass die Spenden auch sicher direkt ankommen.

Lussi dankte den Sulzer Spendern für diese Großherzigkeit vielmals und sagte vom Fahrersitz eines Feuerwehrautos in die Kamera: „Ich bin begeistert von dieser herzlichen Unterstützung.“ Der hauptberufliche Feuerwehrmann gehört ebenfalls zu den zahlreichen Betroffenen und streitet mit der Versicherung – denn der Hausrat in der erst vor einem Jahr renovierten Wohnung war zwar gegen Starkregenereignisse versichert, die Versicherung jedoch wertete das Hochwasser als Flutwelle – und versagte Tobias Lussi finanzielle Hilfe.

Das bevorstehende Weihnachtsfest werden viele Schulder Feuerwehrkameraden nicht in ihrem Zuhause verbringen können, da viele Häuser von den Fluten der Ahr weggeschwemmt wurden. In bewegenden Worten schilderte der Wehrführer, wie die Feuerwehr bei einem Einsatz zum Kellerauspumpen im Nachbarort davon Mitte Juli hörte – und dies zunächst nicht glauben konnte. Das Flüsschen Ahr verlaufe in Schleifen um das Dorf, doch innerhalb kürzester Zeit schwoll das Gewässer auf die Breite des Rheins an und setzte sogar das Feuerwehrhaus unter Wasser. Auf der Rückfahrt trafen die Einsatzkräfte auf die DLRG, die zwar ein Boot, aber keine Steckleiter hatte. „Wir haben die Kräfte gebündelt und konnten 14 Menschen das Leben retten, von denen neun bereits in Lebensgefahr schwebten“, erzählte Tobias Lussi. In einem anderen Fall seien Kinder bei einem Kindergeburtstag vom Wasser in einer Pizzeria eingeschlossen gewesen. „Die Kinder standen auf Stühlen und leuchteten uns mit den Taschenlampen – aber wir konnten nicht rein“, schilderte der Wehrführer. Erst mit Hilfe eines Teleskopladers mit Korb und Leiter gelang die Rettung. Sekunden später sei das Haus in der Mitte auseinandergebrochen.

Lussi, der seit Januar 2020 Wehrführer bei der Feuerwehr Schuld ist, war Mitte Juli auch selbst mit zwei Kameraden einmal im Feuerwehrauto gefangen: „Das Wasser stand bis zur Unterkante der Windschutzscheibe. In diesem Moment hatte ich keine Idee, was zu tun wäre“, gestand Tobias Lussi. Dank eines technisch versierten Maschinisten gelang es, das Fahrzeug rückwärts aus den Fluten zu manövrieren. „Wir fanden den Weg raus, wo kein Weg mehr war“, erzählte Lussi. Die Feuerwehrleute überlebten alle.

Hieber stellt Besuch in Aussicht

Stadtbrandmeister Eugen Heizmann versicherte, das Geld aus Sulz werde auf ein Fördervereinskonto überwiesen. Tobias Lussi versprach, die 6165 Euro in vollem Umfang unbürokratisch an die fünf Feuerwehrfamilien in Schuld weiterzuleiten. „Das ein oder andere Tränchen wird sicher fließen“, zeigte der Wehrführer sich überzeugt. Das einzig Positive der Katastrophe sei, dass Menschen, die die Opfer gar nicht kennen, diesen helfen wollen.

Bürgermeister Hieber wünschte den Menschen in Schuld, den Mut nicht zu verlieren, nach vorne zu schauen und hoffte auf eine Besuchsmöglichkeit für ein persönliches Kennenlernen.

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Erstellt:
1. Dezember 2021, 20:30 Uhr
Aktualisiert:
1. Dezember 2021, 20:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. Dezember 2021, 20:30 Uhr

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