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Neujahrskonzert

Liebe und Romantiker als roter Faden

Das Residenz-Orchester Baden-Württemberg, die Solisten Femke Soetenga, Marie-Kristin Schäfer und Chris Murray begeisterten rund 900 Zuhörer.

03.01.2019

Von Dunja Bernhard

Sven Gnass hatte für das Residenz-Orchester Baden-Württemberg und die drei Gesangssolisten für das neunte Sulzer Neujahrskonzert in der Stadthalle ein buntes Potpourri gewählt. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Als Hommage an Richard Strauss und seine Instrumentationstechnik gestaltete Organisator und Dirigent Sven Gnass am Dienstagabend das Programm des Neujahrskonzerts 2019 im Sulzer Backsteinbau. Dieser rote Faden durch den Genremix war nicht auf Anhieb zu erkennen. Welche Stücke er beim Neujahrskonzert präsentieren wolle, überlege er sich im Sommerurlaub am Strand, plauderte Gnass. Wenn dann ein Musikkritiker sage, das passe gar nicht zusammen, „weiß ich, ich bin auf einem guten Weg“. Denn wenn man Vielfalt zusammenfüge, komme etwas Gutes dabei heraus.

Diese Vielfalt fußte beim Neujahrskonzert auf dem romantischen Komponisten Richard Strauss, der laut Gnass ein großes Vorbild war für moderne Filmmusikkomponisten. Strauss’ Epochen übergreifende Art der Instrumentierung fand sich somit nicht nur in der sinfonischen Dichtung „Also sprach Zarathustra“, das etliche Zuhörer aus der Warsteiner Bier- Werbung kennen dürften, sondern auch in den zahlreichen Hollywood-Klassikern, die am Dienstagabend auf die Bühne kamen.

Als Gesangs-Solisten hatte Sven Gnass die Musicaldarsteller Femke Soetenga und Chris Murray sowie Altistin Marie-Kristin Schäfer verpflichtet. Schäfer wird Ende Juli viermal Carmen in der gleichnamigen Oper bei den Opernfestspielen in Glatt auf der Bühne stehen. Wie leidenschaftlich die blonde Sängerin diese Rolle ausfüllen wird, demonstrierte die Altistin mit der Arie „Habanera“. Aber das war erst nach der Pause.

Im ersten Teil leitete das Marlene-Dietrich-Medley, das Soetenga als „fesche Lola“ verkleidet sang, von Richard Strauss zur Filmmusik und von Deutschland nach Hollywood über. 1945 wurde dort „If I loved you“ aus dem Musical „Carousel“ das erste Mal aufgeführt. Chris Murray, Tenor mit unglaublichen Tonumfang, der im vergangenen Jahr auch bei den Horber Musiktagen auftrat, präsentierte diesen Song ohne Happy End ausdrucksstark und fein abgestimmt mit der Orchesterbegleitung.

Erstmals Big-Band-Sound dabei

Die Liebe zog sich wie ein weiterer roter Faden durch das Programm. In „I Wanna Be Loved By You“ erzählte Marilyn Monroe, beim Neujahrskonzert verführerisch dargestellt von Femke Soetenga in rot-schwarzem Kleid, was sie sich in Liebesdingen von den Männern wünscht. Murray besang in „Be My Love“ die männliche Sicht. Dem als Wagner-Tenor ausgebildete Sänger versagte dabei kurz die Stimme. Diesen Fauxpas überspielte Chris Murray charmant, was dem Publikum den Sänger noch sympathischer machte.

Aus dem nationalsozialistischen Propaganda-Film „Die große Liebe“ stammten die Titel „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ und „Davon geht die Welt nicht unter“. Der Texter Bruno Balz wurde mehrmals von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Oppositionelle und KZ-Insassen sahen die Lieder als ein Hoffnungsschimmer auf eine Zeit nach dem NS-Regime. Die Originale sang Zarah Leander. In Sulz interpretierten die Stücke Soetenga in schwarzem Pelz und Murray mit glitzernder Weste. Big-Band-Sound mit Streichern, gespielt von einem Symphonieorchester, gab es bei „Don‘t Rain On My Parade“ und „I Can Cook Too“, eine völlig neue Musikrichtung beim Sulzer Neujahrskonzert.

Zwischen diesen geballten musikalischen Leckerbissen und Herausforderungen gönnte Gnass Zuhörern und Musikern Pausen der Erholung mit Filmmusiken aus „Der mit dem Wolf tanz“ und „Die Glorreichen Sieben“. „Lehnen Sie sich einfach zurück“, empfahl der Dirigent dem Publikum.

Der instrumentale Höhepunkt des Abends war die Rhapsodie „Czardas“ des italienischen Komponisten Vittorio Monti. Die Solistin, Konzertmeisterin Maria Gawrilenko, intonierte das auf einem ungarischen Tanz beruhende Stück zwar sehr hart, aber zugleich in der Höhe tastend zart. Der melancholischen Stimmung gab Gawrilenko sich nicht passiv hin, sondern stellte ihr Aufbruch und Tatendrang entgegen. In den 32stel-Passagen spielte die Violinistin betont und jede Note klar abgesetzt. Es war eine fantastische Leistung der zarten Violinistin.

Das Residenz-Orchester Baden-Württemberg, das sich aus Berufsmusikern mehrerer deutscher Opern-Häuser zusammensetzt, brillierte nicht nur als Begleitung, sondern besonders in den herausfordernden Stücken „Fledermaus-Ouvertüre und Säbeltanz“. Es war ein gelungener Jahresauftakt des Sulzer Kulturlebens.

Als Marlene Dietrich mit blonder Perücke wusste Solistin Femke Soetenga ebenfalls zu begeistern.

Chris Murray, Marie-Kristin Schäfer (Mitte) und Femke Soetenga genießen den Schlussapplaus.

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Erstellt:
3. Januar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Januar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Januar 2019, 01:00 Uhr

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