Bundestags-Kandidatur

Marcus Lotzin (AfD): „Normalität ist, morgens aufzustehen und seine Arbeit zu machen“

Der AfD-Bewerber im Wahlkreis 280 Calw/Freudenstadt, Marcus Lotzin, spricht im Interview über Bundeswehr, Polizei, Heimat, Migration und deutsche Tugenden.

02.09.2021

Von Manuel Fuchs

Marcus Lotzin tritt im Wahlkreis 280 Calw/Freudenstadt bei der Bundestagswahl für die AfD an. Damit folgt er auf Uwe Burkart, der hier für diese Partei 2017 kandidierte und 14,1 Prozent der Erststimmen erhielt. Der Zweitstimmenanteil der AfD im Wahlkreis 280 betrug vor vier Jahren 15,0 Prozent.

Interview mit dem Bundestagskandidaten Marcus Lotzin (AfD)
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Der gebürtige Ost-Berliner Marcus Lotzin tritt im Wahlkreis 280 Calw/Freudenstadt bei der Bundestagswahl für die AfD an. Damit folgt er auf Uwe Burkart, der hier für diese Partei 2017 kandidierte und 14,1 Prozent der Erststimmen erhielt. Der Zweitstimmenanteil der AfD im Wahlkreis 280 betrug vor vier Jahren 15,0 Prozent. Marcus Lotzin spricht über Bundeswehr, Polizei, Heimat, Migration und deutsche Tugenden.

18:42 min

SÜDWEST PRESSE: Herr Lotzin, was treibt Sie an, für den Bundestag zu kandidieren.

Marcus Lotzin: Ich bin ja in Berlin großgeworden. Wir haben seit den letzten 30 Jahren dort immer wieder Probleme festgestellt: die Sicherheit, die Asylpolitik, Familienpolitik, Wohnungspolitik und so weiter. Und seit ich hier in Altensteig lebe und als Stadtrat die Bürgerinnen und Bürger vertrete, sind diese Themen wieder hochgekommen. Unter anderem war hinter meinem Haus ein Betonklotz jetzt gebaut worden, wo ich auch gegen die Stadt klage. Das hat mich damals bewegt, mich auch als Bundestagskandidat aufstellen zu lassen, weil diese Themen von der Kommunalpolitik in den Bundestag transportiert werden müssen.

Warum können Sie Ihre Ziele am ehesten mit der AfD verwirklichen?

Weil wir auf die Bürger zugehen. Wir nehmen die Themen auf und vertreten diese auf allen politischen Ebenen. Jeden ersten Samstag stehe ich in Altensteig auf dem Wochenmarkt und nehme die Themen auf, verarbeitete diese und trage das Ganze dann im Stadtrat vor.

Nun ist die AfD nicht ganz frei von Menschen, die rechtsextreme Positionen vertreten. Stört Sie das nicht?

Bei wem sehen Sie das?

Fangen wir mal bei Herrn Höcke an.

Das ist ja Thema Nummer 1. Ich würde es mal verallgemeinern: Jeder Bundestagsabgeordnete, der sich zur Wahl stellt, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Wenn da keine Eintragungen enthalten sind, dann kann man auch nicht sagen, dass da jemand rechtsradikal oder irgendetwas in der anderen Richtung gewesen ist.

Nochmal: Sie sagen, es stört sie deswegen nicht, weil es rechtsextreme Positionen in Ihrer Partei nicht gibt.

Nein. Da wird auch ganz klar das verfolgt, es wird auch dementsprechend das Thema dann auch behandelt, und dann werden die einzelnen Konsequenzen ziehen müssen – den Parteiausschluss, zum Beispiel.

Ihre Partei wirbt auf ihren Plakaten mit sehr verknappenden, klaren und durchaus vielfältigen Aussagen und Forderungen. Welches ist Ihr Lieblingswahlplakat – außer dem, auf dem Sie zu sehen sind.

Ich möchte zunächst eines anmerken: Das Kopfplakat zeigt einen Menschen, der es ehrlich mit seinen Mitbürgern meint und der bereit ist, für ihre Interessen zu kämpfen. Dieser Wille wird in den Themenplakaten sichtbar, und da kommen jetzt meine Lieblingsplakate, zum Beispiel „Grenzen schützen ist normal“, „Unser Land, unsere Regeln“ oder „Bundeswehr stärken“. Es kann nicht sein, dass CDU und SPD es nicht für richtig erachten, bei den letzten Heimkehrern aus Afghanistan auf dem Flughafen zu stehen und diese Kameraden zu empfangen.

Von welchem Plakat denken Sie, es ist nicht ganz so wichtig oder geht etwas an Ihren Zielen vorbei?

Alle Plakate von uns sind wichtig.

Sie stehen hinter jeder Aussage?

So ist es, ganz genau.

Eine Unterzeile auf einem solchen Plakat lautet „Deutschland, aber normal“. Könnten Sie diese deutsche Normalität etwas konkretisieren?

Es bedeutet, morgens aufzustehen und seine Arbeit zu machen. Eine Heimat zu haben. Sichere Grenzen zu besitzen. Und Sicherheit für unsere Frauen bei Tag und Nacht. Es bedeutet, dass Recht und Ordnung uneingeschränkt durchgesetzt werden. Es bedeutet, dass es keine rechtsfreien Räume gibt wie etwa im Görlitzer Park oder am Kottbusser Tor in Berlin – oder im Stadtpark Kleb in Nagold.

Sie möchten die Polizei als Sicherheitsorgan stärken. Wie soll sich das konkret gestalten?

Die Polizei muss unbedingt gestärkt werden. Die Politik muss hinter der Polizei stehen. Sie kann nicht einzelne SEK-Einheiten auflösen, weil dort welche im Chat rechtsradikale Äußerungen gemacht haben. Das muss natürlich ganz klar isoliert und gerichtlich verfolgt werden. Man kann nicht einfach alle Polizisten, alle Einsatzkräfte – da beziehe ich die Bundeswehr mit ein – so diffamieren, dass man da einzelne Einheiten auflöst. Es gibt eben unangenehme Themen wie das Schlagen und das Anspucken von Polizisten und so weiter. Da muss der Staat ganz klar durchgreifen und hinter der Polizei stehen. Es kann nicht sein, dass es immer heißt „deeskalierend wirken“. Das habe ich auch bei der Bundeswehr gelernt, immer „deeskalierend wirken“. Aber irgendwann muss man sich auch mal wehren können, und dafür darf es keine Strafe geben.

Sie haben den Begriff „Heimat“ benutzt. Was verbinden Sie als Berliner, der die Bevölkerung im Nordschwarzwald vertreten möchte, damit?

Heimat bedeutet für mich: der vertraute Ort, wo man sich geborgen und wohl fühlt, die gleiche Sprache spricht, seine Nachbarn kennt und mit ihnen dieselben Werte teilt. Der Ort, der einem Sicherheit und Wohlbefinden schenkt.

Und abgesehen davon – was verbinden Sie noch mit den beiden Landkreisen und dem Nordschwarzwald?

Diese Landkreise sind vom Schwarzwald geprägt. Der dort ansässige Menschenschlag hatte es in früheren Zeiten besonders schwer. Das rauhe Klima und die bergige Landschaft verlangten von den Schwarzwäldern eine besondere Lebenstüchtigkeit. Deswegen haben selbst die tiefsten Täler immer Tüftler und Erfinder ersten Ranges hervorgebracht. Ihnen gilt meine Bewunderung.

Was muss sich trotzdem hier dringend ändern?

Das wäre zum Beispiel einmal der bezahlbare Wohnraum, der massiv eingebrochen ist. Wir haben im ländlichen Raum keine Möglichkeit, Wohnungen anzubieten. Es sei denn, es werden neue Wohnkomplexe oder Wohnbaugebiete gebaut. Und da fehlt es dann an der Infrastruktur, das heißt auch die Einkaufsmöglichkeiten und so weiter, das fehlt eben halt.

Wenn man Ihnen für Ihren Wahlkreis 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen würde – was würden Sie damit als Erstes angehen?

Eine solche Summe müsste vornehmlich in die Infrastruktur fließen, neben dem Ausbau im digitalen Bereich betrifft das leistungsfähige Straßen und S-Bahn-Anschlüsse. Aber wir dürfen trotzdem nicht vergessen: Auch die Gastronomie hat sehr gelitten unter der Pandemie, da würde ich natürlich auch mit einem Teil die Bedürftigen unterstützen, die jetzt massive Probleme haben, Kredite zurückzuzahlen, die vielleicht daran denken müssen, ihren Laden aufzugeben.

Vor vier Jahren wollte die AfD „die Bundesregierung jagen“. Ist die Jagd abgeschlossen, oder war sie erfolglos?

Diesen Satz hat Alexander Gauland gesagt, das sollten Sie deshalb ihn fragen.

Sie haben jetzt die Chance, die Bundesregierung für einige Aspekte ihres Corona-Krisenmanagements zu loben. Was hat sie gut gemacht? Was hätten Sie besser gemacht?

Gut gemacht? Da kann ich nichts dazu sagen. Man hat eigentlich nur die Regierungsnahen gehört und nicht Unabhängige. Zu Beginn der Pandemie letztes Jahr im März, da waren ja schon 78 Tage vergangen, seit es Ende Dezember klar war, was da auf uns zu rollt. Da wurde nicht rechtzeitig reagiert, die Grenzen nicht geschlossen. Das hat ja alles gar nicht stattgefunden. Und dann immer wieder diese Intervalle. Die Altparteien haben die Gastronomie und die Wirtschaft gegen die Wand gefahren.

Was wäre der richtige Weg gewesen? Hinterher darf man ja schlauer sein.

Das wäre man auch währenddessen gewesen, wenn man nicht nur die Regierungsnahen gehört hätte. Es gibt so viele Ärzte in Deutschland, da frage ich mich, wo bleiben die eigentlich? Es kann nicht sein, dass ein gewisser Herr Lauterbach vor die Mattscheibe gesetzt wird, der mit Epidemiologie wenig zu tun hat. Er ist ja eigentlich Gesundheitsökonom. Wir brauchen mehr Gelassenheit und dürfen uns nicht der sprichwörtlichen German Angst ausliefern. Es war richtig, ältere und gefährdete Personen zu schützen und zu impfen. Junge und gesunde Bürger brauchen eigentlich keine Impfung und dürfen sich auf natürliche Weise immunisieren.

Sind Sie geimpft?

Nein, ich bin nicht geimpft. Bei der Bundeswehr wurde uns alles gegeben, was der Medizinschrank hergegeben hat. Da war ein Impfstoff mit dabei, ich weiß nicht mehr, wie der genau heißt, der wurde aus Mäusegehirn gewonnen. Das war dann so ein weißes Pulver und das wurde verflüssigt und geimpft. Zwei Jahre später hat es dann geheißen: Dieser Impfstoff hatte überhaupt keine Wirkung. Ich verweise auf eine Studie des Paul-Ehrlich-Instituts: 354 Menschen sind nach der Impfung gestorben, auch kurz nach der Impfung. Selbst Geimpfte stecken sich an. Da sind wir gleich beim nächsten Thema: Grundrechte. Es gibt gar kein Grundrecht für Ungeimpfte oder Geimpfte. Das kann gar nicht sein, das muss alles aufgehoben werden.

Was für ein Auto fahren Sie denn?

Ich fahre ein Erdgasauto, auch wenn man es nicht glaubt, ein sehr solides Auto, schöner Verbrenner. Ist auch CO2-neutral, wenn man das mal betrachtet. Erdgas ist eine Alternative gegenüber dem E-Auto. Der Verbrenner darf vom Markt nicht verschwinden; es gibt ja auch Alternativen zu dem Kraftstoff, die auch CO2-neutral sind – synthetische Kraftstoffe, die sehr wichtig ist. Das muss man weiter fördern. Deutschland muss technologieoffen sein, nicht so wie die Grünen und die anderen Parteien. Es ist schade, dass das nicht so gefördert wird, weil deswegen haben wir ja auch die Soziale Marktwirtschaft.

Das AfD-Parteiprogramm fordert, dem Klimawandel positiv zu begegnen. Was kann man denn Positives am Klimawandel finden?

Dazu kann ich auch was sagen. Wir müssen für bahnbrechende Technologien offen sein. Ohne den wirtschaftlichen Interessen unserer Bürger zu schaden und industrielle Arbeitsplätze zu gefährden und ohne die Kernkraft geht es nicht. Die Energiewende ist voll gescheitert und hat uns die höchsten Strompreise der Welt beschert. Die verbliebenen sechs deutschen Kernkraftwerke müssen am Netz bleiben. Weitere, mit neuester Technologie, müssen hinzukommen. Für eine verspargelte Landschaft ist der Schwarzwald zu schade, zumal die Windhäufigkeit in vielen Fällen nicht ausreicht. Der Diesel- und der Verbrennungsmotor müssen erhalten werden. Die übertriebenen Grenzwerte der EU sind zurückzunehmen. Es gibt in der Tat heute die Möglichkeit, synthetische Kraftstoffe aus Industrieabgasen klimaneutral herzustellen. Eine gesicherte und günstige Energieversorgung ist eine der Grundvoraussetzungen von Wohlstand, Sicherheit und Gesundheit.

Was sind in Ihren Augen die drei wichtigsten Tugenden?

Das ist ganz einfach: Fleiß, Ordnung und Pünktlichkeit.

Sind das typisch deutsche Tugenden?

Ja. Das kommt eigentlich vom Preußischen her, ist aber auf ganz Deutschland anzuwenden.

„Die Zuwanderung nach Deutschland muss unter Kontrolle gehalten werden“, schreiben Sie. Muss man jetzt die Zuwandernden auf ihre drei Tugenden prüfen?

Das nicht, wir sind ja nicht die Partei, die jetzt alle ausschließt. Ohne Zuwanderung und ohne Migration im Allgemeinen geht es auch gar nicht. Es dürfen nur nicht die sozialen Systeme unterwandert werden. Durch den Flüchtlingsstrom seit 2015 haben sich die Sozialausgaben verdoppelt im Landkreis Calw und Freudenstadt. Die individuellen Schutz- und Asylgarantien wurden 1949 für verfolgte Einzelpersonen geschaffen. Sie versprechen unter den heutigen Bedingungen der massenhaften globalisierten Wanderungsbewegungen Unmögliches. Sie können nicht aufrechterhalten werden.

Heißt das, man muss das Grundgesetz in diesem Punkt ändern?

Wie meinen Sie das?

Wenn Sie sagen, das Grundgesetz garantiert das Asylrecht, ist aber nicht mehr zeitgemäß, dann streben Sie eine Grundgesetzänderung an.

Das ist nicht gesagt. Wie müssen eben ... nochmal: Für verfolgte Einzelpersonen ist es geschaffen worden. Da brauchen wir das Grundgesetz ja nicht zu ändern.

Aber wenn Sie doch sagen, das 1949 geschaffene Grundgesetz wird mit diesem Abschnitt der heutigen Situation nicht gerecht, dann muss man es doch ändern?

Ja, da geb ich Ihnen teilweise recht, aber trotzdem ist dieses Gesetz ja gemacht worden, um genau gegen da zu verfahren.

Kurzfragen

VfB Stuttgart oder Bayern München?

VfB Stuttgart

Welche Stadt Baden-Württembergs ist die schönste?

Altensteig

Kässpätzle oder Rostbraten?

Rostbraten

Bier oder Wein?

Bier

Oper oder Rockkonzert?

Konzert

Android oder iOS?

iOs

Ihre Motorradtour – lieber auf der Route 66 oder der Deutschen Alleenstraße?

Auf der Deutschen Alleenstraße.

Sie müssen auf eines verzichten: Auf das Tempolimit auf Autobahnen oder auf das Gendern. Was fällt Ihnen leichter?

Auf das Gendern zu verzichten.

Der in Ost-Berlin geborene und aufgewachsene Marcus Lotzin kandidiert bei der Bundestagswahl im Wahlkreis 280 Calw/Freudenstadt für die AfD. Bild: Karl-Heinz Kuball

Vita Marcus Lotzin

Marcus Lotzin wurde 1980 im Stadtteil Prenzlauer Berg des damaligen Ost-Berlin geboren. Er absolvierte die Realschule und eine Maurerlehre, bevor er sich für 15 Jahre als Zeitsoldat verpflichtete. Seine letzten zehn Dienstjahre war er in Calw stationiert. Er beendete seine Laufbahn als Hauptfeldwebel; Reservist ist er nicht.

2014 trat er in die AfD ein. Während seiner Bundeswehrlaufbahn bildete er sich zum IT-Entwickler weiter, arbeitete danach als Projektmanager und ist seit Februar 2018 als IT-Dienstleister für eine Haiterbacher Firma tätig. Seit Mai 2019 sitzt er als einziges AfD-Mitglied, daher fraktionslos, im Gemeinderat von Altensteig.

Lotzin ist verheiratet und hat einen 13-jährigen Sohn.

Offenlegung

Marcus Lotzin hatte als einziger Kandidat des Wahlkreises 280 vor dem Interview mehrmals darum gebeten, die Fragen vorab zu erhalten. Wir haben uns dafür entschieden, das Interview so zu führen und diesen Umstand aus Transparenzgründen hier zu vermerken. Im Interview selbst las Lotzin in weiten Teilen vom Blatt ab.

Liebe AfD, es ist in Ordnung, dass Du da bist, aber ...

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Erstellt:
2. September 2021, 18:30 Uhr
Aktualisiert:
2. September 2021, 18:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. September 2021, 18:30 Uhr

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