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Mehr als Sprache vermittelt
Das Horber Sprachcafé im Familienzentrum hat sich seit seiner Gründung vor fast genau einem Jahr zu einer Anlaufstelle für Flüchtlinge entwickelt. Mittendrin sitzt Elisabeth Schneiderhan, eine der Initiatorinnen des Cafés. Bild: Kuball
Flüchtlinge

Mehr als Sprache vermittelt

Seit einem Jahr gibt es das Horber Sprachcafé im Familienzentrum. Der Ansturm auf das gemütliche Beisammensein hat nachgelassen.

22.12.2016
  • Dunja Bernhard

Schön warm ist es im großen Raum des Horber Familienzentrums am späten Donnerstagnachmittag. Es duftet nach Kaffee und Bratäpfeln. Elisabeth Schneiderhan hat gebacken. Vor fast genau einem Jahr rief die OGL-Stadträtin zusammen Angelika Fink, Ingrid Schumm, Ute Kreidler und Gabi Wehle das Sprachcafé „United“ ins Leben. Fünfzig bis sechzig Asylsuchende kamen zeitweise donnerstags ins Familienzentrum, erzählt sie. Sie kamen nach dem Sprachkurs im Hesse-
Kolleg vorbei, bevor sie nach Hause fuhren. Es waren überwiegend junge Männer, die ins Sprachcafé kamen.

Gedacht war das Sprachcafé als Austausch zwischen Deutschen und Flüchtlingen. Die Idee sei gewesen, dass man sich über das Miteinander-Sprechen kennen lernt, sagt Schneiderhan. „Sprache ist doch das, was uns letztendlich verbindet.“ Gut ein Dutzend Deutsche und eine Amerikanerin, die Sprachunterricht gibt, sind seitdem regelmäßig dabei. Ein Übungssatz im Unterricht sei gewesen „Heute um 16 Uhr fahre ich mit dem Fahrrad zum Sprachcafé“, erzählt sie. Der Andrang der Asylsuchenden – überwiegend Syrer – im Sprachcafé hat jedoch nachgelassen. „So um die 30 kommen noch“, sagt Schneiderhan. Einige seien weggezogen, andere machten Praktika oder fanden Arbeit.

Einige kommen kaum noch, seit auch die Familien in Horb sind, erzählt Schneiderhan. „Es ist viel einfacher, Männer zu integrieren als ganze Familienverbände.“ Gerade bei Familien aus dem syrischen Hinterland sei das traditionelle Rollenverhalten noch sehr ausgeprägt.
„Die Strukturen sind sehr Männer orientiert.“ Es wäre gut, wenn noch mehr deutsche Männer ins Sprachcafé kämen. Sie könnten die Rolle des deutschen Mannes vorleben.

Für die arabischen Frauen möchte das Sprachcafé künftig ganz spezielle Angebote machen. Ein Treffen mit Kinderbetreuung könnte Schneiderhan sich vorstellen. Allerdings kommen die jetzigen Mitarbeiter/innen an ihre zeitlichen Grenzen. „Es wäre toll, wenn noch mehr Horber sich im Sprachcafé engagieren würden.“

Im Sprachcafé blieb es nicht beim verbalen Austausch. Der Treffpunkt entwickelte sich schnell zu einer Kontakt- und Tauschbörse. Möbel und Kleidung wurden für Flüchtlinge
besorgt. Mitarbeiter halfen bei der Vermittlung von Praktikumsplätzen.

„Bei der Wohnungssuche hat ein Asylsuchender kaum eine Chance gegenüber deutschen Bewerbern“, sagt Trudel Marquardt. Deshalb geht sie bei der Wohnungsbesichtigung mit. Sie hilft auch bei Bewerbungen an der Universität. Ins Sprachcafé kam sie, um sich selbst ein Bild von den Asylsuchenden zu machen, erzählt sie. „Es ist nicht nur ein Geben, es kommt auch viel zurück.“ So kochte sie
schon mit einigen Syrern bei sich zuhause und lernte so neue Rezepte kennen.

In Behördenangelegenheiten kennen sich die Sprachcafé-Mitarbeiter mittlerweile bestens aus. Für Kindergeldanträge ist eine Übersetzung des in Arabisch verfassten Familienbuchs nötig, erzählt Schneiderhan. Das sei alles ein Riesenaufwand. Doch die Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern, dem Job-Center und der Stadt klappe sehr
gut. „Die Behörden sind froh, wenn jemand mit ausgefüllten Zetteln kommt.“

Auch Anlaufstelle für Schüler

Das Sprachcafé ist mittlerweile auch Anlaufstelle für Schüler geworden, die ein Schul-Sozialpraktikum suchen. Zwei Schülerinnen machen mit zwei syrischen Mädchen Hausaufgaben. Andere Schüler halfen schon bei der Bewirtung.

Auch wenn Flüchtlinge nicht mehr ins Sprachcafé kommen – sei es, weil sie keine Zeit mehr haben oder in eine andere Stadt gezogen sind, – hält Schneiderhan zu ihnen über digitale Medien Kontakt.

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22.12.2016, 01:00 Uhr

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