Hau und Holzwiese

Stimmung im Wandel

Braucht Horb unbedingt ein Industriegebiet bei Ahldorf? Die SÜDWEST PRESSE fragte nochmal die Haltung in den Gemeinderats-Fraktionen ab.

05.01.2018

Von Dagmar Stepper

Für das geplante Gewerbegebiet in Ahldorf müsste auch ein Wald weichen, der für die Bewohner ein wertvolles Erholungsgebiet ist. Bild: Kuball

Für das geplante Gewerbegebiet in Ahldorf müsste auch ein Wald weichen, der für die Bewohner ein wertvolles Erholungsgebiet ist. Bild: Kuball

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen in der Frage eines möglichen Gewerbegebietes bei Ahldorf liege zuvorderst beim Gemeinderat, teilte die Stadtverwaltung vor einiger Zeit mit. Aber wie steht es um die Haltung in den Fraktionen, nachdem mehr als 300 Interessierte dem Aufruf der Bürgerinitiative „Hau und Holzwiese“ zum Gang durch das Gebiet mobilisiert hat. Steht da die große Mehrheit für das Projekt noch?

Michael Keßler (CDU): „Die Entscheidung des Horber Gemeinderats war, das Gebiet zu untersuchen, ob hier eine Gewerbeansiedlung überhaupt realistisch ist und nicht die Entscheidung, ob es kommt oder nicht“, betont Keßler. Die Meinung in der CDU-Fraktion sei differenziert: „Es gibt welche, die sagen, macht mal eher langsam und andere, die neue Gewerbeflächen generieren möchten.“ Er selbst gehöre eher zu denen, die generell den Flächenverbrauch minimieren möchten. Das Projekt wird auf jeden Fall in der Fraktion weiter diskutiert. „Die Argumente der Gegner müssen ernst genommen werden“, sagt er. Keßler erinnert an die Entscheidung des Ahldorfer Ortschaftrates, der sich klar gegen das Gewerbegebiet positioniert hat. Die Mehrheit der Bürger sehe das genauso. Der Widerstand hat ihn nicht überrascht. „Die Ahldorfer stehen schon immer einer Gewerbeansiedlung kritisch gegenüber. Die Gemarkung ist klein und der Ort hat bereits etliche Flächen durch den Autobahnzubringer verloren.“ Letzte Frage: Braucht Horb überhaupt ein Gewerbegebiet in Ahldorf, wenn die Hochbrücke kommt? „Mit Sicherheit verbessert die Hochbrücke die Wahlmöglichkeiten für Horb, Gewerbeflächen im Stadtgebiet zu finden.“

Dr. Alfred Seifriz (FD/FW): „Die FD/FW-Fraktion hat schon oft bemängelt, dass Horb die einzige Kommune ist, die kein Industriegebiet an der Autobahn hat“, sagt Seifriz. Ahldorf sei jetzt eine Option, nachdem aus dem Industriegebiet in Mühringen nichts geworden sei. Das Interkommunale Gewerbegebiet mit Empfingen ist für den Fraktionsvorsitzenden keine Lösung. Im Gegenteil: „Wir können nicht das Interkommunale Gewerbegebiet mit Empfingen vorantreiben und in Horb selbst nichts machen.“ Die Flächen im Heiligenfeld seien begrenzt, außerdem seien dann andere vom Verkehr betroffen. Der FD/FW-Fraktionsvorsitzende gibt zu bedenken, dass Ahldorf ja noch nicht beschlossene Sache sei. „Es geht um Voruntersuchungen, gleichzeitig laufen Gespräche mit den Eigentümern.“ Überrascht ist Seifriz vom Gegenwind. Wichtig sei, die Menschen einzubinden, das gehe nur mit totaler Transparenz. „Die Bürger müssen über alles informiert werden“, betont Seifriz.

Thomas Mattes (SPD): „Es gibt Argumente für das Gewerbegebiet, es gibt aber auch Bedenken“, fasst Mattes die Stimmung in seiner Fraktion zusammen. Die SPD berate noch, ob sie es unterstützen soll oder nicht. Für ein Gewerbegebiet an der Autobahn sprächen die kurzen Wege, aber es sei eben auch ein Flächenverbrauch. Der SPD-Fraktionsvorsitzende gibt aber auch zu bedenken, dass die Pläne erst ganz am Anfang stünden. „Es ist noch keine Entscheidung getroffen.“ Klar sei, dass die Kapazitäten im Heiligenfeld und dem Hohenberg fast erschöpft seien. Doch es laufen ja gerade auch Verhandlungen über ein gemeinsames Interkommunales Gewerbegebiet mit Empfingen. Daher seien noch viele Fragen offen. „Ob das Gewerbegebiet in Ahldorf gerechtfertigt ist oder ob es Alternativen gibt, ist noch lange nicht zu Ende diskutiert.“

Markus Pagel (OGL): „Diesen Wald darf man nicht roden und zum Industriegebiet machen“, betont Pagel. Der OGL-Fraktionsvorsitzende ist vom Artenreichtum der alten Bäume begeistert. Eichen würden mit ihrem Totholz allein 900 Käferarten Lebensraum bieten, bei Fichten seien es nur 300. „Der Eichenbestand ist so wertvoll. Den zu zerstören, wäre eine Sünde.“ Pagel ist nicht grundsätzlich gegen die Ansiedlung von Gewerbe – aber nicht an dieser Stelle. Er plädiert außerdem dafür, „platzsparender“ zu bauen. „Jede zementierte Fläche reduziert die Natur. Warum ist die Natur weniger wert als Gewerbe?“, fragt er. Sinnvolle Lösungen müssten her. Nicht nur in die Breite bauen, sondern auch in die Höhe. Als schlechtes Beispiel nennt er den Aldi-Parkplatz. Ein Parkhaus wäre hier sinnvoller gewesen.

Hermann Walz (ULH): „Ein Gewerbegebiet in Ahldorf ist Schwachsinn, das ist konträr zum Interkommunalen Gewerbegebiet mit Empfingen“, sagt Walz mit Nachdruck. Er strebt einen eindeutigen Beschluss in seiner Fraktion gegen das geplante Gewerbegebiet in Ahldorf an. Außerdem gebe es ja auch noch das Industriegebiet im Heiligenfeld. Das gewinne mit der Hochbrücke und dem Autobahnanschluss an Attraktivität. Aber reicht die Fläche dort für weitere Ansiedlungen aus? „Wenn es im Heiligenfeld Platz hat für Großraum-Garagen, dann muss es auch Platz für andere Sachen haben“, meint der ULH-Fraktionsvorsitzende. Walz fordert außerdem mehr Öffentlichkeit. „So langsam wird es Zeit, dass man eine Bürgerversammlung macht und offen Tacheles redet.“ Ansonsten drohen ähnliche Umstände wie in Talheim, wo die geplante Auffüllung des alten Steinbruchs fast zur Spaltung des Ortes geführt hätte.

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Erstellt:
05.01.2018, 01:00 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 05.01.2018, 01:00 Uhr

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