Horb · Güterverkehr

Unterstützung aus Berlin

Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel besuchte das Horber Heiligenfeld und informierte sich über das geplante Containerterminal.

21.10.2020

Von Manuel Fuchs

Von links: Investor Kurt Plathe, der Bundestagsabgeordete Matthias Gastel (Grüne) und sein Parteifreund Winfried Asprion aus Horb.

Schön, dass es diese Initiative gibt“, sagte Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen, Sprecher für Bahnpolitik und Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur am Montagnachmittag am Gleisfächer im Horber Industriegebiet Heiligenfeld. Er meinte damit die Investoren die dort ein Containerterminal für kombinierten Verkehr (KV) planen. Deren Ansatz „raus aus den Sonntagsreden und rein ins konkrete Handeln“, lobte Gastel sehr.

Winfried Asprion, Landtagskandidat der Grünen im Kreis Freudenstadt, eingeladen und eine illustre Runde fand sich ein: Kurt Plathe, Inhaber des Neubulacher Unternehmens Plathe Grundbesitz, der das KV-Terminal errichten möchte, seine Co-Investoren Uwe Gfrörer aus Empfingen, Mitinhaber der Singener Umwelt- und Transportlogistik GmbH sowie Horst Schuon, Logistikunternehmer aus Haiterbach. Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger war gekommen, dazu Kristina Sauter aus der OGL-Fraktion im Horber Gemeinderat. Vertreter der Bürgerinitiative (BI) Heiligenfeld, die sich gegen das Terminal ausspricht, seien auch eingeladen gewesen, sagte Asprion.

Mehr Güter auf die Schiene

Lastwagenkilometer zugunsten von Schienenkilometern zu sparen, sei richtig und wichtig, sagte Gastel. Ein Terminal im Horber Heiligenfeld verkürze für umliegende Betriebe den Weg zu einer Straße-Schiene-Schnittstelle, womit er die Hoffnung verband, dass der Schienengüterverkehr insgesamt attraktiver werde. Derzeit sei er in Deutschland nur für knapp ein Fünftel aller Tonnenkilometer verantwortlich; der weitaus größere Teil werde auf den Straßen abgewickelt. In Österreich liege der Schienenanteil bei 30, in der Schweiz gar bei 40 Prozent. „Wir kämpfen um jedes Prozent“, sagte Gastel. In den zurückliegenden Jahren sei dies eher ein Rückzugsgefecht gewesen, schob er nach. Dabei sei der straßengebundene Güterverkehr ein Sorgenkind der Bemühungen gegen den Klimawandel. Dies und die erwartbare Entlastung der Straßen stellten „gute Argumente für so ein Projekt“ dar. Schuon ergänzte, die Transportbranche leide sehr unter dem Fachkräftemangel. Müssten Fahrer kürzere Strecken zurücklegen, mache dies den Beruf attraktiver.

Was Zweifel und Kritik aus den Reihen der BI Heiligenfeld betraf, vertrat Gastel den Ansatz, erst einmal zuzuhören und die Befürchtungen der Menschen wahrzunehmen. Seiner Erfahrung nach lasse sich „manches durch Information klären“. Plathe sagte, er habe für Dienstag, 27. Oktober, ein Gespräch mit BI-Vertretern vereinbart, um genau dies zu tun.

Gastel sicherte zu, als Ansprechpartner für das Nachhaken auf Bundes- und Landesebene zur Verfügung zu stehen, und bat darum, zu erläutern, wie das von der Stadt Horb über Jahre betriebsfähig gehaltene Industriegleis im Heiligenfeld an das aktive Netz, also an die Bahnlinie Eutingen-Freudenstadt angebunden werden könne. Das übernahm Kurt Plathe: Momentan ist das Industriegleis über eine handbetriebene Weiche mit der aktiven Linie verbunden. Wegen der Taktung der Personenzüge tagsüber kann es derzeit nur zwischen 22 und 5 Uhr befahren beziehungsweise aus ihm ausgefahren werden. Für eine effiziente Nutzung muss die Weiche mit einer Steuerungselektronik ausgestattet werden, wofür – inklusive dem notwendigen Stellwerksumbau –  zwei bis drei Jahre Bauzeit und 6,5 Millionen Euro Kosten veranschlagt sind. „Wir haben es geschafft, diese Gelder zu bekommen“, sagte Plathe entspannt.

An die BI Heiligenfeld gerichtet, fuhr er fort: „Das muss man sich einmal vorstellen: Diese Schienenanlage liegt seit 30 Jahren brach. Jetzt wollen wir sie reaktivieren und kriegen solche Bäume in den Weg gelegt. Das ist eine Protestsituation, die ich nicht verstehe.“ Er wisse auch nicht, wie die BI auf 40000 Einheiten Jahresumschlag im Terminal komme. Tatsächlich werde zunächst an drei Werktagen pro Woche ein 350 bis 400 Meter langer Zug, ein sogenannter Halbzug im Heiligenfeld ent- und beladen. Laut öffentlich zugänglichem Verkehrsgutachten ist pro Jahr mit weniger
als 4000 Schwerverkehrsfahrten rund um das Containerterminal zu rechnen. Und nicht etwa die Transportunternehmen verursachten den Verkehr, sondern deren Auftraggeber aus Industrie und Wirtschaft. Er als Transportunternehmer könne allerdings dazu beitragen, die Auswirkungen der Transporte auf Menschen und Umwelt zu verringern.

Das KVT-Projekt und die Abwägung von Umweltbelangen vor Augen sagte Plathe: „Ich reduziere CO2. Ob eine Feldlerche CO2 reduziert, steht noch in den Sternen.“ Und mit Blick auf die Altheimer Bürger meinte er, das KVT könne sogar helfen, die gewünschte Umgehungsstraße zu realisieren.

Die Befürchtungen, das Stapeln der Container könne nachts erhebliche Geräusche verursachen, entkräftete er zweifach: Erstens sei kein Nachtbetrieb geplant; die Züge sollen morgens ein- und abends wieder ausfahren. Zweitens arbeiteten moderne Stapler sehr leise. „Ich gebe jedem Recht, der vor 20 oder 30 Jahren in einem Terminal war und den Krach dort gehört hat.“ Einem Datenblatt des von Plathe favorisierten Reachstackers ist zu entnehmen, dass dieser lediglich 69 Dezibel emittiert – eine schleudernde Waschmaschine ist lauter, landwirtschaftliche Großgeräte erst recht, wie Plathe anmerkte. Ein sogenanntes Soft-Landing-System ermögliche es zudem, Container nahezu geräuschlos abzusetzen. Auch der Rangierbetrieb moderner Lastwagen falle gemessen an der Geräuschkulisse, die sonst vom Heiligenfeld und den benachbarten Verkehrswegen ausgehe, kaum ins Gewicht.

OB Rosenberger erinnerte daran, dass der Horber Gemeinderat das KVT-Projekt einstimmig befürwortet habe. Plathes Darstellung der erwartbaren Geräuschentwicklung sei stichhaltig, müsse aber in einem Gutachten untermauert werden. Die Strategie einiger Kritiker, zunächst Informationen einzufordern und sie dann mit einem schlichten „Glaub ich nicht!“ für irrelevant zu erklären, missfalle ihm sehr, sagte er. „Seid doch mal nicht gegen was, sondern für etwas!“, appellierte er an die Nicht-Anwesenden. „Zum Beispiel für eine Altheimer Umfahrung.“ Einst sei sie abgelehnt worden, weil man sich nicht auf eine Trasse verständigen konnte. Vielleicht finde man jetzt mit dem Terminal einen neuen Ansatz.

Der Betreiber des Terminals sei öffentlich auszuschreiben, erläuterte Plathe abschließend. Er müsse den diskriminierungsfreien Zugang zu Schienentrassen gewährleisten. Uwe Gfrörer kündigte an, sich darum zu bewerben, und stellte in Aussicht, die Gleise im Heiligenfeld auch für Baustoffe, Langholz und Stahl zu nutzen. Letztlich ermögliche Schienengüterverkehr, mehr Waren mit weniger Lastwagen und geringerem Personalaufwand zu befördern, und das sei auch sein Ziel.

Plathe gab die Perspektive aus, den Containerverkehr mit den Mittelmeerhäfen zu intensivieren. Der Horber Bahnhof verfügt über ein Zugbildungsgleis, von wo ein Langzug über die Gäubahnstrecke, Zürich und Mailand den Containerhafen in Triest bedienen könne. Fracht, die über das Mittelmeer nach Deutschland kommt, spare so mehrere Werktage gegeüber der Route via Hamburg.

Ein wenig länger müssen die Gleise im Heiligenfeld noch werden, um einen Halbzug aufnehmen zu können. Bilder: Karl-Heinz Kuball

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Erstellt:
21. Oktober 2020, 01:05 Uhr
Aktualisiert:
21. Oktober 2020, 01:05 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2020, 01:05 Uhr

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