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Glaube

Ein Meisterwerk aus Dankbarkeit

Jens Fechtner wollte etwas zurückgeben. Nach einem Unfall kämpfte er sich in den Schreinerberuf zurück. Das Ergebnis ist ein Altar, der am 21. Oktober dem Seniorenheim als Dauerleihgabe übergeben wird.

15.10.2016
  • Benjamin Breitmaier

Eineinhalb Meter hohe Perfektion, schwarzes durchgefärbtes Holz, furniert mit hauchfeiner Eiche. Das gläserne Kreuz eines österreichischen Kirchenausstatters wird von hinten mit warmem Licht bestrahlt. Auf der Fläche liegt eine Bibel. Er steht mitten in einem Empfinger Wohnzimmer. Seine Silhoutte ist ein großes Kreuz. In dem Altar stecken Hunderte Stunden Planung, stecken Nerven, steckt Stolz – ein wahres Meisterwerk. Hinter dem außergewöhnlichen Möbelstück steht aber auch eine Geschichte. Sie handelt von Dankbarkeit, von Leidenschaft und Wiederaufstehen.

Es war 2013 als er vom Gerüst fiel. Komplizierter Bruch, knapp unterhalb des Ellenbogens. Die Genesungsphase dauerte lange. Schmerzen beim Schalten im Auto, Schmerzen beim Tragen von leichtesten Dingen. Es gab Momente, in denen Jens Fechtner daran gezweifelt hat, je wieder seinen Schreinerberuf auszuüben. „Ich stand vor dem beruflichen Nichts“, erklärt Fechtner im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Ein dreiviertel Jahr dauerte es, bis der Schreinergeselle sich sagte: „So kannst du nicht weitermachen“. Zur Zeit des Unfalls arbeitete er bei der Sulzer Firma Holzforum. Für das kleine Unternehmen war es unmöglich, ihm einen Schreibtischjob anzubieten. Ein Plan musste her. Fechtner entschied sich für die Flucht nach vorne. 15 Jahre als Schreinergeselle wollte er nicht einfach kaputt machen.

Die Fachschule für Holztechnik wurde für den heute 36-Jährigen zum Hoffnungsträger. Eine kombinierte Ausbildung zum Holztechniker, mit anschließendem Meisterabschluss. Die Ausbildung begann im September 2014. Zwei Jahre später steht Fechtner im Wohnzimmer seiner Schwiegereltern und erzählt von seinem Meisterstück, das selbst die Handwerkskammer Stuttgart in den höchsten Tönen gelobt hat. Draußen im Garten steckt der 19 Meter hohe Meisterbaum in der Erde.

Warum ein Altar als Meisterstück? „Wenn man so viel Segen bekommt, dann möchte man etwas zurückgeben“, erklärt Fechtner. Er denkt an seine Frau, die ihn durch die Ausbildung begleitet hat, denkt an seine Tochter, die im März des vergangenen Jahres zur Welt kam. Die Taufe übernahm Pfarrer Christoph Gruber. Fechtner sprach ihn an. Ursprünglich war sein Plan ein Stehpult für die Friedhofskapelle zu bauen. Gruber hatte eine bessere Idee. Alle 14 Tage gibt es im Seniorenheim in der Schanzgasse einen Gottesdienst. Doch anstelle eines Altars wird hier nur eine Decke über den Tisch geworfen und ein Kreuz dazugestellt. Gruber damals zu Fechtner: „Es wäre schön, wenn wir hier einen würdevollen Gottesdienst feiern könnten.“

„Ich wusste nicht, ob ich dem gerecht werden kann“. Fechtner fing an zu recherchieren. Schaute sich Altäre in Südtirol an, setzte sich an den Schreibtisch und fing an zu zeichnen. Traugott Wegenast, sein alter Chef bei der Firma Holzforum in Sulz, stellte ihm die Werkstatt zur Verfügung, damit er ungestört bauen konnte.

Fechtner streicht über die Oberfläche seines Meisterstücks. Er erinnert sich daran, wie nervenaufreibend der Bau war – dass er so oft von vorne hätte anfangen müssen, wäre ein Fehler passiert. Er hält die Hand unter die Holzdecke. Die Hintergrundbeleuchtung flammt auf. Die beiden Koffertüren funktionieren mit Magneten. Alle Metallteile sind millimetergenau in das tiefschwarze Holz eingelassen. Lange wird er hier nicht mehr stehen. Am kommenden Freitag wird der Altar zum ersten Mal seinen Zweck im Seniorenheim erfüllen und den würdevollen Gottesdienst möglich machen

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15.10.2016, 01:00 Uhr

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