Empfingen·World Games

„Sie sind ein Vorbild und machen Mut“

Der Empfinger Simon Lanig hat bei den „Special Olympics“ in Abu Dhabi mit den deutschen Fußballern die Bronzemedaille gewonnen. Dafür ehrte ihn jetzt Innenminister Thomas Strobl in Stuttgart.

27.04.2019

Von Frank Wewoda

Der stellvertretende Ministerpräsident Thomas Strobl ehrt den
Empfinger Fußballer Simon Lanig vorige Woche in Stuttgart. Privatbild

Das Band mit der Bronzemedaille baumelt ihm um den Hals, der Bundesadler prangt auf seiner Brust: Simon Lanig unterscheidet auf den ersten Blick nichts von einem deutschen Olympioniken, der den Sprung aufs Podest geschafft hat.

Doch gab es von seinen Auftritten keine Liveübertragungen im Fernsehen, er erhielt keine Einladung ins Aktuelle Sportstudio. Für seinen Erfolg bei den „Special Olympics“ mit der deutschen Fußballmannschaft in Abu Dhabi ehrte ihn nun aber der stellvertretende baden-württembergische Ministerpräsident Thomas Strobl: Der Empfinger Simon Lanig erhielt von ihm im Stuttgarter Innenministerium eine schriftliche Würdigung. Im von Strobl unterzeichneten Schreiben steht: „Mit Ihrer Teilnahme haben Sie Sportgeschichte geschrieben. Auf Sie, lieber Herr Lanig, einen disziplinierten, sympathischen und weltoffenen Botschafter unseres Bundeslandes, sind wir stolz!“

Ablauf wie bei Olympia

Das Abenteuer „Special Olympics“ in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird der 22-jährige Empfinger so schnell nicht mehr vergessen: „Das war ein voll cooles Gefühl, mal was Neues zu erleben und neue Menschen zu sehen“, sagt der Abwehrspieler, strahlt übers ganze Gesicht. In Abu Dhabi, wo die „Special Olympics“ (siehe Kasten) vom 14. bis 21. März stattgefunden haben, vertraten 163 Athleten in 18 Sportarten die deutschen Farben.

Der Veranstaltungsablauf gleicht den Olympischen Spielen: In Abu Dhabi trug der Berliner Athlet Dennis Mellentin mit einem internationalen Team die „Special Olympics“-Flamme bei der Eröffnungszeremonie nach dem Einlauf der Nationen (siehe Bild oben) ins Stadion. „Das war super“, erzählt Simon am Esstisch in seinem Empfinger Elternhaus. „Tausende von Leute“ zogen mit ihm ein, erzählt er lächelnd. Insgesamt hatten die Special Olympics in Abu Dhabi 7000 Teilnehmer.

Für die deutschen Athleten gab es ein groß angelegtes Besuchs- und Ausflugsprogramm. „Wir haben eine Schule und eine Moschee besucht, sind Schnellboot und mit einem Quad durch die Wüste gefahren“, schwärmt Simon. Auch einen Tag am Meer hätten sie zusammen verbracht.

Sportlich lief es für den Abwehrspieler gut. Einen Schreckmoment gab es auch: Plötzlich klingelte bei den Eltern Cornelia und Martin in Empfingen an einem Sonntagmorgen das Telefon, am anderen Ende war eine deutsche Stimme aus dem Krankenhaus in Abu Dhabi, die vorwegsagte: „Keine Sorge, es ist nichts Schlimmes passiert!“ Im Gruppenspiel gegen die Schweiz wurde Simon gefoult und dehnte sich dabei ein Innenband am Fuß. Er wurde vorsorglich im Krankenhaus untersucht – obwohl der Befund nichts Gravierenderes ergab, fiel Simon doch für den Rest des Turniers verletzt aus.

Doch dass er für das Team in Abu Dhabi überhaupt ausgewählt wurde, bedeutet ihm viel. Mit dem Fußballspielen fing er einst bei der SG Empfingen im „Bambini“-Alter an. Vor etwa vier Jahren hat er sich der Behindertensportgemeinschaft Neckarsulm angeschlossen, nimmt regelmäßig an der deutschen Meisterschaft im Juni teil.

Unvergessliche Erlebnisse

In Neckarsulm beim Training kann er nur unregelmäßig dabei sein, denn Simon hat einen Arbeitsplatz bei der Empfinger Firma Bauser im Logistikbereich. „Die Leidenschaft fürs Kicken, Spaß daran zu haben und nie aufzugeben, ist mir wichtig“, sagt Simon Lanig.

Ein „Unified-Team“, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam antreten, wäre Simon am liebsten, doch in der Nähe gibt es leider keines. Seine Begeisterung für den Fußball lässt er sich dadurch aber auf keinen Fall nehmen – und Abu Dhabi bleibt nicht nur für ihn auf jeden Fall unvergesslich.

Simon Lanig Bild: Frank Wewoda

Großen Mannschaftsgeist beweisen die deutschen Fußballer der„Special Olympics“-Auswahl, die hier ihre Freude über die Bronzemedaille in Abu Dhabi herausschreien. „Wir verstehen uns sehr gut“ . Bild: SOD/Sascha Klahn

Die deutsche Delegation mit Simon Lanig beim Einlauf der Nationen im Zayed Sports City Stadium in Abu Dhabi Bild: SOD/Sascha Klahn

„Special Olympics“: Hintergrund und Ziele

Die Weltspiele der Menschen mit geistiger Behinderung, zu unterscheiden von den Paralympics für Menschen mit Körperbehinderung, finden seit 1968 statt, seit 1975 regelmäßig alle vier Jahre wie die Olympischen Spiele. Erklärtes Ziel der „Special Olympics“ ist es, Menschen mit geistiger Behinderung durch den Sport zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und zu mehr Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen. Im Sinne des Inklusionsgedanken finden bei den „Special Olympics“ unter anderem auch „Unified“-Wettbewerbe statt, bei denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam antreten. Bei den Weltspielen in Abu Dhabi vom 14. bis 21. März brachte das deutsche Team mit 163 Athleten 118 Medaillen nach Hause, 41 Mal Gold, 47 Mal Silber und 30 Mal Bronze. Zudem waren 31 Sportler ohne Behinderung als Partner der „Unified“-Teams dabei.

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Erstellt:
27. April 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. April 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. April 2019, 01:00 Uhr

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